Polycore
Polycora entwickelt ein neuartiges Plattenmaterial aus 100 % recyceltem Kunststoff als nachhaltige Alternative zu MDF und Spanplatten. Ziel ist es, die Möbel- und Interiorbranche von linearen, nicht recycelbaren Materialien zu lösen und echte Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. Polycora verbindet Materialforschung, Design und Systemdenken, um langlebige, leichte und wiederverwertbare Lösungen für industrielle Anwendungen zu schaffen.
Polycora adressiert das Nachhaltigkeitsthema Ressourcenverschwendung und lineare Materialsysteme in der Möbelindustrie. MDF und Spanplatten gelten als „ökologisch“, sind jedoch kaum recycelbar und enden meist in Deponien oder Verbrennung. Polycora trägt zu SDG 12 (Responsible Consumption & Production) durch die Entwicklung eines vollständig zirkulären Materials bei, zu SDG 13 (Climate Action) durch Reduktion von Emissionen und zu SDG 11 (Sustainable Cities & Communities) durch langlebige, reparier- und rückführbare Innenanwendungen.
Das Konzept von Polycora basiert auf der Entwicklung eines strukturellen, leichten und wasserresistenten Plattenmaterials aus 100 % recyceltem Kunststoff, das MDF und Spanplatten in Möbel- und Innenanwendungen ersetzen kann. Im Gegensatz zu bestehenden Materialien ist Polycore von Anfang an für Schraubverbindungen, Demontage und Wiederverwertung konzipiert. Ziel ist nicht nur der Materialersatz, sondern der Aufbau eines zirkulären Systems, in dem Produkte nach ihrer Nutzung zurückgeführt und erneut zu Platten verarbeitet werden können. Polycora versteht sich als Material- und Systemanbieter für Hersteller, Designer:innen und Institutionen, nicht als Möbelmarke. Der Fokus liegt zunächst auf klar definierten Anwendungen im Innenbereich, wie modularen Möbeln, leichten Transportcontainern oder funktionalen Innenpaneelen. Durch diese Fokussierung sollen reale Anforderungen validiert und technische Eigenschaften gezielt weiterentwickelt werden. Langfristig verfolgt Polycore das Ziel, einen neuen Materialstandard für die Möbel- und Interiorbranche zu etablieren, der ökologische Verantwortung mit industrieller Skalierbarkeit verbindet. Damit soll gezeigt werden, dass nachhaltige Materialien nicht nur eine Alternative, sondern die bessere Lösung für bestehende Produktionssysteme sein können.
Ausgangspunkt für POLYCORA war die Beobachtung, dass die meisten Möbel aus
Spanplatten bestehen, die durch ihre Verklebung am Lebensende kaum recycelt werden
können und meist verbrannt werden. Unser ursprünglicher Plan war es deshalb, zunächst
nur eine recycelbare Plattenalternative aus Kunststoff zu entwickeln.
Im Laufe des Projekts haben wir diesen Plan erweitert: Statt nur Platten herzustellen, wollen
wir daraus ein eigenes, modulares Möbelsystem entwickeln, bestehend aus selbst
hergestellten Kunststoffplatten, Stäben und 3D-gedruckten Verbindungsstücken, das sich
werkzeugfrei auf- und abbauen lässt.
Dazu haben wir ein Konzept sowie einen Businessplan erarbeitet, erste Schritte in der
Materialentwicklung gemacht und ein Vorgehen für die Beschaffung des recycelten
Kunststoffs skizziert, zunächst über lokale Recyclingbetriebe, langfristig über eine mögliche
Zusammenarbeit mit der MA 48. Parallel zu diesem Projekt sind wir außerdem in den aws
First Incubator aufgenommen worden, über den wir eine Förderung für die Weiterentwicklung
erhalten.
Der eigentliche Hebel von POLYCORA liegt darin, ein Standardmaterial der Möbelindustrie durch eine recycelbare Alternative zu ersetzen, statt nur einzelne Möbelstücke nachhaltiger zu gestalten. Wenn sich Kunststoffplatten aus Rezyklat in der Praxis bewähren, könnten sie langfristig in vielen verschiedenen Möbelanwendungen eingesetzt werden, weit über unser eigenes Modulsystem hinaus.
Durch die Trennung in sortenreine Materialgruppen sollen unsere Möbel außerdem am
Lebensende tatsächlich wieder recycelt werden können, statt wie klassische
Spanplattenmöbel im Restmüll oder in der Verbrennung zu landen. Eine mögliche
Zusammenarbeit mit der MA 48 würde zusätzlich einen lokalen Kreislauf schaffen, bei dem Kunststoffabfälle aus Wien direkt wieder in Wien zu neuen Möbeln verarbeitet werden.
Der bisherige Impact ist vor allem konzeptioneller Natur: Wir haben gezeigt, dass dieser
Ansatz grundsätzlich funktionieren kann, und einen realistischen Weg dorthin skizziert. Ob und wie stark sich das auf Abfallmengen und Materialkreisläufe auswirkt, hängt davon ab, wie erfolgreich die weitere Entwicklung und Umsetzung verläuft.
Ein zentrales Learning war, wie wichtig es ist, bei einem Problem an der eigentlichen
Ursache anzusetzen. Erst durch die Auseinandersetzung mit dem Thema haben wir
verstanden, dass das eigentliche Problem nicht das einzelne Möbelstück ist, sondern dass
das Standardmaterial Spanplatte selbst kaum recycelbar ist. Das hat uns dazu gebracht,
unseren ursprünglichen Plan zu erweitern: von reiner Plattenherstellung hin zu einem
eigenen Möbelsystem.
Inhaltlich haben wir gelernt, wie eng Materialentwicklung und Produktdesign
zusammenhängen: Welche Eigenschaften eine recycelte Kunststoffplatte braucht, hängt
stark davon ab, wofür und wie sie später verbaut werden soll. Material und
Möbelkonstruktion müssen daher von Anfang an gemeinsam gedacht werden, statt
nacheinander entwickelt zu werden.
Wir haben außerdem gelernt, wie viel Zeit zwischen einer guten Idee und einem tatsächlich fertigen Produkt liegt, und wie wichtig es ist, realistisch mit dem eigenen Zeitplan umzugehen, statt Zwischenschritte wie die Plattenentwicklung zu überspringen. Persönlich war zudem die Zusammenarbeit im Team mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen, Architektur und technischer Chemie, eine wichtige Erfahrung: Viele Entscheidungen ließen sich erst durch den Austausch beider Perspektiven sinnvoll treffen.
gute unterstützung
Coaches

Michael Ambros
BOKU:BASE

Rudolf Dömötör
WU Gründungszentrum

